Künstlerportrait des Monats
Februar 2026
Wolfgang Dürr
Fotograf
Ein Interview mit dem Fotografen Wolfgang Dürr
Frage: Bitte stelle dich unseren Lesern kurz vor. Wer bist du und was machst du als Künstler?
WD: Ich heiße Wolfgang Dürr, bin ausgebildeter Fotograf und fertige Fotoarbeiten an.
Frage: Wann und wie hast du begonnen, dich künstlerisch zu betätigen?
WD: Mit dem Medium Fotografie arbeite ich seit vierzig Jahren. Es gab lange Zeit viel Auftragsfotografie und nebenbei ein paar freie Arbeiten. Mit der Zeit hat sich die Gewichtung verschoben und seit fünf Jahren arbeite ich ausschließlich an freien Projekten, die ich als künstlerisch bezeichnen würde.
Frage: Gab es einen bestimmten Moment oder Einfluss, der dich dazu inspiriert hat?
WD: Es kann befriedigend sein, einem Auftraggeber die Bilder zu liefern, die er sich vorgestellt hat oder seine Vorstellungen sogar zu übertreffen. Glücklich macht es mich nur, wenn ich ohne Auftrag fotografiere und dabei ganz den inneren Impulsen folge. Irgendwann wollte ich nur noch so arbeiten.
Frage: Was sind deine bevorzugten Medien oder Techniken, mit denen du arbeitest?
WD: Als Fotograf bin ich an die sichtbare Wirklichkeit gebunden, muss also mit dem arbeiten, was bereits da ist. Im Gegensatz zur Malerei oder Bildhauerei kann die Fotografie nichts aus sich selbst heraus erschaffen. Zwischen mir und dem Werk ist immer eine Apparatur und ein physikalischer Prozess, bei dem Licht einen Ausschnitt aus der dreidimensionalen Wirklichkeit in ein zweidimensionales Abbild übersetzt. Bei manchen Projekten verschränke ich mehrere solcher Abbilder ineinander.
Frage: Welche Themen oder Motive inspirieren dich in deiner Kunst?
WD: Mich interessiert das Verhältnis des Menschen zur ihn umgebenden Umwelt. An den Schnittstellen von Naturraum und Kulturraum wird dieses Verhältnis, das insgesamt kein gutes ist, sichtbar. Es geht dabei oft auch um Zerstörung und Vergänglichkeit.
Frage: Kannst du uns etwas über deine kreativen Prozesse erzählen? Wie gehst du vor, wenn du ein neues Kunstwerk schaffst?
WD: Das ist von Projekt zu Projekt verschieden. Innerhalb einer Serie folge ich natürlich einem Konzept, aber grundsätzlich gebe ich gerne dem Ungeplanten, Unvorhergesehenen Raum und teilweise auch den kreativen Prozess aus der Hand. Bilder planen oder gar inszenieren kann ich nicht. Wenn ich fotografiere, versuche ich in einem sehr offenen und konzentrierten Zustand meine Umgebung wahrzunehmen. Im besten Fall finde ich dann, wonach ich nicht gesucht habe.
Frage: Gibt es andere Künstler oder Kunstbewegungen, die einen Einfluss auf deine Arbeit haben?
WD: Was die Fotografie angeht, haben mich immer Arbeiten interessiert, die nur mit den klassischen fotografischen Gestaltungsmitteln und ohne den Einsatz von Verfremdungseffekten die sichtbare Wirklichkeit ein Stück weit transzendieren.
Frage: Wie würdest du deinen künstlerischen Stil beschreiben?
WD: Am ehesten fühle ich mich einem „magischen Realismus“ verbunden.
Frage: Welche Bedeutung hat Kunst in deinem Leben?
WD: Ich lasse mich gerne von Kunst berühren und inspirieren. Der kreative Aspekt ist wichtig, aber nicht lebensnotwendig. Ich kann auch ohne Kunst leben, will es aber nicht.
Frage: Hast du besondere Ziele oder Projekte, an denen du derzeit arbeitest oder auf die du hinarbeitest?
WD: Ein Projekt mit Wildkameras läuft permanent im Hintergrund und liefert kontinuierlich Material, das ich auswerte und weiterverarbeite. Ich bin gespannt, wo es noch hinführt.
Frage: Was möchtest du mit deiner Kunst erreichen oder vermitteln?
WD: Ich finde Fragen interessanter als Antworten. Wenn meine Bilder beim Betrachter Fragen aufwerfen und ihn gleichzeitig in irgendeiner Weise emotional berühren, ist mir etwas gut gelungen.
Frage: Hast du einen bestimmten Lieblingsmoment oder Erfolg in deiner künstlerischen Karriere, den du gerne teilen möchtest?
WD: Bei Ausstellungen habe ich ein paar Mal von Besuchern gehört: „So etwas habe ich noch nie gesehen“. Dieser Satz hat mich ganz besonders gefreut.
Frage: Wie gehst du mit künstlerischer Blockade oder Rückschlägen um?
WD: Rückschläge fordern dazu auf, Korrekturen an dem Weg vorzunehmen, den man eingeschlagen hat. Dann entsteht möglicherweise etwas viel besseres.
Blockaden sind notwendige Pausen. Die Erfahrungen, die man in diesen Pausen macht, fließen in die nächste kreative Phase ein.
Frage: Gibt es etwas, das du jungen aufstrebenden Künstlern raten würdest?
WD: Dass sie nicht auf den Erfolg oder den Zeitgeist schielen, sondern ihr Ding machen, das, was sie wirklich interessiert. Auch auf die Gefahr hin, dass es sonst niemanden interessiert. Notfalls muss man Kunst und Erwerbsarbeit trennen.
Frage: Wie siehst du die Rolle von Kunst in der Gesellschaft heute?
WD: Kunst ist demokratisch und frei und deshalb denen ein Dorn im Auge, die die Demokratie abschaffen und den Menschen freies Denken und sich Ausdrücken nehmen wollen. Wenn Kunst in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert hat, ist das ein Zeichen von Toleranz, insofern ist sie heute wichtiger denn je.
Frage: Gibt es etwas, das du unseren Lesern gerne über dich mitteilen möchtest, das sie vielleicht noch nicht wissen?
WD: Ich bin erst vor drei Jahren in die Rhön gezogen und freue mich immer wieder darüber, wie lebendig und vielfältig die Kunstszene hier ist.
Vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast, um unsere Fragen zu beantworten.
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